Es gibt hier fünf Kasten in der Hierarchie.
Ganz oben natürlich der Chef.
Dann die vier IngenieurInnen.
Dann die vier, teilweise halbtags arbeitenden, Bauzeichnerinnen.
Dann die zwei wechselnden Sekretärinnen.
Dann ich.
Eigentlich sind alle versucht, mir Aufgaben zu geben, die mir auch etwas beibringen und schanzen mir zwischen den repetitiven Schneiden-Falzen-Kopieren-Aufgaben auch Sachen zu, die nicht notwendig für den Ablauf des Betriebes (Wie haben die nur ohne PraktikantIn ihren Kleinkram erledigen können? Die kommen ja jetzt schon kaum klar, wo ich das alles machen muss.) sind und mir einen Einblick in ihren jeweiligen Beruf vermitteln sollen.
Ausser der Chef.
Der Chef meint - und das meint er noch nicht einmal böse - PraktikantInnen seien zu typischen PraktikantInnenaufgaben da. Also so Sachen wie letztens das Schneeschippen.
Oder als er mir gestern das instruction manual und den quick start guide seines neuen Handys auf den Tisch legte und meinte ich solle das doch mal grösser kopieren, schliesslich könne er es so schlecht lesen. Ich war ja nur grad dabei eine Aufertigung vierfach zu sortieren und fertig zu stellen, damit sie am gleichen Tag noch zum zuständigen Bauamt gebracht werden kann.
Aber das Blödeste an der Geschichte ist, dass ich dann wirklich versuchte diese zwei verdammten Heftchen, die vom Format her genau so gewählt waren, dass nicht zwei Seiten auf ein A3-Blatt passen, zu kopieren. Nachdem ich also eine Viertelstunde mit dem Kopierer gefochten (und kläglich verloren) hatte, fiel mir endlich ein, die verdammten Anleitungen einfach als pdf runterzuladen und auszudrucken.
Gut, dass ich dann aus Versehen fünfzig mal die falsche Datei gedruckt habe, mag ich mir durchgehen lassen. Davon ab war meine Lösung sehr elegant. Zwar erst im vierten Anlauf, aber trotzdem.
Ansonsten war ich heute mal wieder so unproduktiv und schlaff wie selten. Habe versucht auf der Herrentoilette einige Minuten zu schlafen. Hat nicht geklappt. Habe versucht einige Minuten an meinem Schreibtisch zu schlafen und dabei auszusehen als arbeite ich gerade an der Einzugsgebieteberechnung eines Plans eines Wohngebietes. Hat auch nicht geklappt.
An dieser Einzugsgebieteberechnung sitze ich übrigens schon seit über einer Woche. Das sollte ich einfach mal machen, um zu sehen wie es funktioniert. War auch extra ein leichter Plan. Tja, leider hat der zuständige Ingenieur dabei einige Fehler gemacht, die mich dann verzweifeln liessen. Solch eine Einzugsgebieteberechnung dient dazu, zu wissen, wieviel Regenwasser von einem jeweiligen Grundstück in das jeweilige Kanalnetz fliessen wird um die Auslastung des Kanals zu planen. Dazu werden dann in einem relativ frühen Stadium der Planung die ganzen unterschiedlichen Einzugsgebiete festgelegt und ausgerechnet. Ich sollte sie nur festlegen und entsprechend ihrer zugehörigen Kanalabläufe durchnummerieren. Blöderweise hatte der Ingenieur, der die Berechnung für diese Massnahme schon fertig hat und mich halt nur üben lassen wollte, seine Berechnung gemacht, als die Strassen und die Strassenabläufe (das was ich "Gulli" nennen würde) noch nicht im Plan waren. Bedeutet er hat mir sehr schwierige Informationen dazu gepackt - so dass ich nun auch berechnen musste, zu welchem Strassenablauf das jeweilige Wasser auf der Strasse fliessen wird - und mir sehr wichtige Informationen versehtenlich beim Plotten ausgeblendet - nämlich die Höhen- und Gefälleangaben ohne die ich ja überhaupt keine Ahnung habe, welcher Gulli denn nun tiefer liegt als welcher andere und zu welchem Tiefpunkt in der Strasse das Wasser fliessen wird.
Dementsprechend stand ich dann auch wie der Ochs vorm Berge vor dem Plan, als er mir, dabei an seine leichte Version denkend, erklärte, das sei ja alles ganz einfach und ich solle das mal eben so machen. Habe es dann eine Woche lang versucht, bis es mir heute reichte und ich ihm sagte ich käme nicht weiter. Als er mir helfen wollte und feststelle, dass er auch nicht weiterkäme sah er es ein und liess mir einen neuen Plan mit den nötigen Informationen ausplotten.
Da jedoch noch ungefär eintausend andere Pläne geplottet wurden heute, wird es wohl bis Morgen dauern, bis ich diesen einen aus dem Haufen da oben gefischt und den Rest geschnitten und gefalzt habe.
Montag, 31. März 2008
Freitag, 28. März 2008
Tag 96
"Anders als andere Meditationstechniken gibt es hier nichts zu tun, als einfach nur in bewusster Aufmerksamkeit zu sitzen. Dabei soll nicht über das Sitzen selbst nachgedacht werden, sondern es soll sich ein Eins-Werden mit dem Da-Sitzen einstellen. Zu diesem Zweck müssen die schon bald schier endlos auf den Übenden einstürmenden Gedanken losgelassen werden, bis sie sich nach und nach immer seltener ausbilden."Ich habe heute NIX gemacht. Naja eigentlich schon, aber ich habe Arbeit für etwa 2,5 Stunden auf 6 Stunden zu strecken. Denn heute war ja nur bis 13:15Uhr arbeiten. Aber trotzdem.
Los ging es mit dem klassischen "Wieviel verdiene ich in einer Stunde/Minute/Sekunde?"-Spiel. Nachdem ich dann jedoch alle möglichen Werte ausgerechnet hatte die sich für all die unterschiedlichen Feiertagskonstellationen ergeben kam ein anderer Klassiker. Das Starren.
Einfach nur ausm Fenster. Das Tolle daran war, dass ich vor einem Fenster vor einem kleinen Wald sitze. Daraus resultiert auch meine neue Bestimmung: mir wieder ein kleines Fernglas kaufen und rauskriegen was da für komische Tiere langgelatscht sind. Vom Tempo her hätten es Hühner sein können. Sahen aber nicht danach aus. Crazy.
Gegen Ende des Arbeitstages habe ich dann angefangen Pläne diverser Grundstücke zu zeichnen, um sie als Grundlage für meine taktischen Überlegungen, die nun, da der Tag an dem wir endlich bestellen werden näher rückt, unabdingbar sind. Oder sowas in der Art.
Auf jeden Fall endete ich mit mehreren zusammengeklebten (Ja verdammt, das Blatt war zu kurz und mein Plan ist ein wenig ausgeufert.) buntbemalten Zetteln, die ich dann erst kopieren musste, da ich meine diversen Taktiken ja nicht in das Original malen konnte - mein Team muss ja flexibel bleiben und so.
Meine Güte war mir heute langweilig!
Ich habe einen Reader und eine Kurzgeschichte gelesen. Alles heimlich versteht sich. Und dann brach mein Wille vollends, als ich im 13 Uhr mit geschultertem Rucksack und Jacke an der Rezeption stand und mir sagen lassen musste, dass ich fünfzehn Minuten zu früh sei.
Donnerstag, 27. März 2008
Tag 95
Mit Nierengurt um die Brustwirbelsäule geschnürt und dick angezogen liess sich der heutige Tag überstehen. Sehr nett war, dass der Chef irgendwann zu mir kam und meinte er hätte da was für mich, ich solle doch mal mitkommen. Er hat mir dann im Erdgeschoss einen Schreibtischstuhl gezeigt, den ich haben könne, da seine Rückenlehne höher und besser sei. Tat mir tatsächlich gut auf diesem statt auf den anderen Stühlen, deren Lehnen nur bis knapp an die Nieren reichen zu sitzen. Nicht so gut tat mir, dass ich den Sessel dann ersteinmal in den zweiten Stock hoch, und den anderen aus dem zweiten Stock runtertragen durfte.
Naja "guter Wille" und so.
Ich habe den ganzen Tag damit verbracht Akten zu sortieren. Naja nicht nur zu sortieren, sondern zu vervielfältigen, um sie danach ins Bauamt zu bringen.
Und dort habe ich dann etwas gelernt!
Gestern habe ich einem befreundetem Dreijährigen das Buch "Der Aufzug" vorgelesen. Auf sein Nachfragen, wofür denn die dreieckigen Knöpfe aussen neben der Tür seien, sagte ich ihm die
Wahrheit:
Das weiss niemand.
Einfach niemand.
Entweder heissen die "Ich will nach oben" oder "der Fahrstuhl soll hochkommen". Darum drückt mensch immer auf beide Knöpfe. So erklärte ich es ihm und so sah ich das auch.
Diese Knöpfe waren beschriftet mit "Ich möchte nach oben" und "Ich möchte nach unten"!
Wie konnten wir diese überragende Technik aus den 60ern nur vergessen?
All ihr fahrstuhlfahrenden Unwissenden: Verkündet es! Die Knöpfe müssen entsprechend der gewünschten Fahrtrichtung gedrückt werden!
Naja, nur um ihrem Sinn zu entsprechen. Denn wenn trotzdem beide gedrückt werden, kommt ja der Fahrstuhl schneller. Möglicherweise fährt er dann länger, aber das Argument kann ja auch auf der "pro"-Seite stehen.
Irgendwann hatte ich dann in diesem Bauamt den Herrn gefunden, dem ich den riesigen Stoss Akten bringen sollte, die ich den ganzen Tag fertig gemacht hatte und wollte extra freundlich sein und so. Kam aber nur bis "Hier..." als ich von einem Menschen unterbrochen wurde, der ins Büro kam und den armen Glatzkopf den ich aufzusuchen hatte anfing anzuschreien. Hielt es für das beste einfach zu gehen.
Naja "guter Wille" und so.
Ich habe den ganzen Tag damit verbracht Akten zu sortieren. Naja nicht nur zu sortieren, sondern zu vervielfältigen, um sie danach ins Bauamt zu bringen.
Und dort habe ich dann etwas gelernt!
Und zwar:
Einfach niemand.
Entweder heissen die "Ich will nach oben" oder "der Fahrstuhl soll hochkommen". Darum drückt mensch immer auf beide Knöpfe. So erklärte ich es ihm und so sah ich das auch.
Aber:
In dem Bauamt gab es einen Fahrstuhl, dessen Aussentür mit zwei rechteckigen Knöpfen versehen war. Das ganze Ding war etwa aus den 60ern nach Stil und gefühlter Sicherheit während der Fahrt zu urteilen. Und diese beiden Knöpfe zierten nicht etwa Piktogramme die einfach nur nach oben oder unten deuten. Nein.Diese Knöpfe waren beschriftet mit "Ich möchte nach oben" und "Ich möchte nach unten"!
Wie konnten wir diese überragende Technik aus den 60ern nur vergessen?
All ihr fahrstuhlfahrenden Unwissenden: Verkündet es! Die Knöpfe müssen entsprechend der gewünschten Fahrtrichtung gedrückt werden!
Naja, nur um ihrem Sinn zu entsprechen. Denn wenn trotzdem beide gedrückt werden, kommt ja der Fahrstuhl schneller. Möglicherweise fährt er dann länger, aber das Argument kann ja auch auf der "pro"-Seite stehen.
Irgendwann hatte ich dann in diesem Bauamt den Herrn gefunden, dem ich den riesigen Stoss Akten bringen sollte, die ich den ganzen Tag fertig gemacht hatte und wollte extra freundlich sein und so. Kam aber nur bis "Hier..." als ich von einem Menschen unterbrochen wurde, der ins Büro kam und den armen Glatzkopf den ich aufzusuchen hatte anfing anzuschreien. Hielt es für das beste einfach zu gehen.
Mittwoch, 26. März 2008
Tag 94
Hexenschuss!
Blöderweise ist heut Mittwoch und ich habe es nicht geschafft zum Arzt zu gehen um meine AU verlängern zu lassen.
Blöderweise ist heut Mittwoch und ich habe es nicht geschafft zum Arzt zu gehen um meine AU verlängern zu lassen.
Dienstag, 25. März 2008
Tag 93
War ein kurzer Arbeitstag heute. Um 7:10Uhr, als ich mich gerade daran machen wollte die geschnittenen Pläne von letzter Woche zu falzen, bekam ich einen Hexenschuss. Hab dann noch eine gute Stunde versucht durch Jacke und Bewegung die Schmerzen zu mildern, aber hat nichts gebracht. Als ich dann gerade verkünden wollte dass ich zum Arzt gehen werde, kam der Chef an und sagte ich solle doch vorher noch Schnee schippen. Ja grossartig. Beste Therapie.
Naja, zwei Stunden später hatte ich dann die AU in Händen. Und das, wo ich doch im Moment immernoch nicht krankenversichert bin. Denn als ich letzte Woche am Arbeitstamt war, hiess es, ich müsse mich erst selber versichern und nachdem ich dann ein Bescheid der Krankenkasse bekommen habe solle ich nochmal wiederkommen.
Naja, zwei Stunden später hatte ich dann die AU in Händen. Und das, wo ich doch im Moment immernoch nicht krankenversichert bin. Denn als ich letzte Woche am Arbeitstamt war, hiess es, ich müsse mich erst selber versichern und nachdem ich dann ein Bescheid der Krankenkasse bekommen habe solle ich nochmal wiederkommen.
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