#4 berufsvorbereitende Bildungsmassnahme

Freitag, 11. Januar 2008

Tag 43

Lehrer: "Machen sie doch mal das Fenster auf!"
Ich: "Nix da! Es ist irrsinnig kalt da draussen!"
Lehrer: "Ach es ist doch nicht kalt draussen!"
Ich: "Es ist doch auch ohne offenes Fenster schon kalt genug hier drinnen!"
Lehrer: "Sie müssen mal mehr Sport machen! Sie machen immer nur Politik, oder?"
Mädchen: "Und mehr Fette essen!"

Aber die Stunde als solche war cool. Auch wenn es sehr erschreckend - und gleichzeitig zu erwarten - war, dass niemand im Kurs "1984" von Orwell kannte. Gut, dass sie, was eigentlich der Witz an der Aufgabe war, den Anfang des Buches erkennen und zuordnen können, hatte wohl niemand erwartet. Aber da hatte wirklich nicht einE EinzigeR jemals von solch einem Buch oder Autor gehört.

Der Knaller war allerdings EDV im dritten Block:
Arbeitsauftrag
Brief nach DIN 5008 mit folgenden Formaten schreiben:

Inhalt:
Am Wochenende hat Ihr Superstar (wer auch immer das sein mag) im Fernsehen gesagt, dass er sich aus allen Einsendern denjenigen aussucht, mit dem er einen netten Abend in einem noblen Restaurant verbringen wird.
Sie formulieren jetzt bitte einen Form vollendeten Brief, dass dieser Mensch natürlich nur SIE kennenlernen und einladen wird!

Bitte beachten Sie dabei auf folgende formale Punkte:
1. Schriftgrösse 12
2. Schriftart: "Bodoni MT Black"
3. Blocksatz
4. Betreffzeile zentriert, fett und Schriftgrösse 14
5. Im Anschriftenfeld Symbole (z.B. für Telefon verwenden)
6. Hintergrundbild aussuchen
7. Aus dem Internet 1 DIN A4-Seite in den Breif einfügen und kennzeichnen, in dem über diesen von Ihnen ausgesuchten Star berichtet wird (Zeitungsartikel, berichte, Chatroom o.ä.)

Viel Spass bei der Arbeit

Die Aufgabenstellung an sich ist ja schon ein grammatikalischer Witz, aber inhaltlich kommts ja noch dicker: "Im Anschriftenfeld Symbole (z.B. für Telefon verwenden)" oder "Hintergrundbild aussuchen" und allein die Schriftart!
Das ist doch stilistische Schwerstkriminalität!
Wenn die alle in Zukunft ihre Bewerbungen mit Symbolen (z.B. für Telefon verwenden) und Hintergrundbildern (kein Witz: die Hälfte hatte Treffer Nummer 5 der Google-Bildersuche Stichwort "Hintergrundbild") anreichern, dann sitzen die doch noch in zehn Jahren da und wundern sich, dass sie nicht genommen werden. Und das obwohl die Bewerbung doch so gut aussieht! Keine Ahnung warum die mich nich nehmen! Ne! Datt is, weil, ne, da wo ich herkomm, die Strasse, die hat ja auch gleich nen schlechten Ruf!
Jaja und so werden sie dann zetern gegen die Bonzen und PersonalmanagerInnen...
Ach und solch Gejammere gibts da wirklich an jeder zweiten Ecke zu hören.

Ach und mir fiel übrigens wirklich niemand ein, an den/die ich meine Arbeitsaufgabe hätte richten sollen. So blieb mir dann ja wohl nichts anderes übrig:



Lehrer dazu:
"Hahaha! Nen Kollege von mir, der is der letzte aufrechte Kommunist hier in der Gegend! Den nennen wir immer den "roten Reinhardt"!"
Und fängt schallend an zu lachen.


Donnerstag, 10. Januar 2008

Tag 42

In der Berufsschule blieb ich heute nur die ersten drei Stunden. Danach gings für mich ab zum Arzt. Gelohnt hat sich der Tag natürlich mal wieder in keinster Weise. Denn einen Durchschnitt errechnen konnte ich schon vorher und die Schlüsselwörter aus einem 26zeiligen Lexikontext unterstreichen ebenfalls. Da ich die ganze Zeit über Schmerzen hatte, reichte es mir dann nach der dritten Stunde.

Mittwoch, 9. Januar 2008

Tag 41

Ich bin heut krank. Und das stimmt sogar. So fieses Magen-Darm-Zeugs, dass mich dazu zwingt den ganzen Tag im Bett zu verbringen. Hab aber heute morgen pflichtbewusst da angerufen und mich entschuldigt.

Ich blogge übrigens ständig in der Angst, jemand vom BZ könnte es irgendwie entdecken und dann dort publik machen. Es würde wohl nicht lange dauern, bis klar wäre, von wem es kommt. Gefährlich wird es mittlerweile, da ich einige der Leute in diversen Myspace-FreundInnenlisten habe und das hier ja nun mal keine Grossstadt ist und über maximal drei Ecken jedeR jedeN kennt. Da braucht nur mal eineR der Leute aus meinem FreundInnenkreis einen Link über ICQ an die falsche Person schicken und schon isses vorbei.
"Es liegt übrigens im Schicksal der meisten Satiren - und vielleicht auch im Geheimnis ihres Erfolges -, daß der Leser niemals glaubt, selbst die Rolle der Zielscheibe gespielt zu haben. Nicht einmal dann, wenn er bereits von drei Pfeilen durchlöchert ist..." *
Ich hoffe Herr Kishon hat recht.

*Ephraim Kishon, "Beinahe die Wahrheit", S.15f

Dienstag, 8. Januar 2008

Tag 40

Anscheinend sind die Leute in solchen Massnahmen überall die gleichen.
Angeblich musste heut in eine nachbarstadtliche Dependance die Polizei einrücken, um randalierende TeilnehmerInnen zu stoppen.

Bei uns war dafür heute nicht soviel los.
Wir haben einen Typen in der Klasse, der mich wirklich wahnsinnig macht.
Ich lehne die Verwendung als Beschimpfung zwar völlig ab, aber er ist die Person, die das Wort "Opfer" in manchen Kreisen zu solcher werden liess. Für ihn wurde das Mobbing erfunden. Und nein, es ist mir einfach völlig unmöglich mich mit ihm zu solidarisieren.
Er geht wie eine Ente. Lässt immer völlig unkontrolliert seine Füsse geräuschvoll auf den Boden platschen, während sich sein Oberkörper mit seinem Schwerpunkt etwa einen halben Meter zu weit vorne befindet, so daß mensch jederzeit erwartet, er würde gleich einfach nach vorne umfallen.
Heute hat er die Tür zum Flur und die Kabinentür offengelassen, als er zur Toilette ging.
Und das Schlimmste:
Er hat keinerlei - nennen wir es - "Sicherung" zwischen dem Gedanken und seiner Äusserung.
Ich kenne das von kleinen Kindern, die völlig zusammenhangslos und ohne gefragt zu werden plötzlich die verrücktesten Sachen aus ihrem Leben erzählen. Er ist genauso. Ständig, wirklich zu JEDER Gelegenheit, haut der irgendeinen Scheiss raus. Niemand redet direkt mit ihm, aber jedeR kennt mittlerweile seine halbe Vita.
Und noch dazu ist er auch einfach nur dämlich.

Heute, "Aktuelle Themen", Thema: Energiegewinnung
"Was ist denn nun an Atomenergie negativ?"
"Weil Atom ist doch giftig!"

Heute, "Deutsch", Thema: Stevie Wonder "Cash in your face"
"Das... das... äääh... ist ein ziemlich rassistischer Text und ich würde den am liebsten ääh nicht weiterlesen."

Soweit so gut. Er kann halt wohl zu wenig Englisch um den Text zu verstehen und es ist doch grundsätzlich ersteinmal begrüssenswert, dass er einen vermeintlichen Rassismus ablehnt. Blöd nur, dass er der wohl obligatorische Naziidiot dieser Klasse war, als sich dort in Erdkunde für ihn mal die Möglichkeit ergab das Lied der Deutschen auszupacken.

Ich kann das hier auch nicht so rüberbringen, dass er nicht als Opfer dasteht, aber es ist einfach unmöglich diese Person zu ertragen. Und abgesehen davon, wird er auch gar nicht wirklich gemobbt. Ihm wird halt hin und wieder nur gesagt er soll endlich ruhig sein wenn er zum zehnten Mal erzählt, er sei "froh, wenigstens wieder an der Tischtennisplatte stehen zu können" oder dem Lehrer aufzählt, was genau er alles getrunken hat beim letzten Flatratesaufen.
Er tut mir ja auch ernsthaft leid für all die Scheisse, die er ständig verursacht, aber es geht einfach nicht anders. Und falls ich es in Zukunft schaffe, ihn hier besser rüberzubringen, werdet ihr mir zustimmen müssen. Nennen wir ihn Napoleon. Ich bleibe dran.
Er IST "Napoleon Dynamite". Und zwar in unsympathisch.

Montag, 7. Januar 2008

Tag 39

Nein, mir war von Anfang an klar, dass er sich falsch entscheiden würde.
Zielstrebig steuerte er den Mülleimer an, während sein in der linken Hand gehaltenes Handy irgendeinen R'n'B in den Aufenthaltsraum schepperte und er rechterhands Luftpolsterfolie platzen liess. Leider warf er jedoch die Folie weg, statt des lärmenden Handys. Abgesehen davon, dass Luftpolsterfolie ohnehin grossartig ist, so ist sie in der schon beschriebenen Klangkulisse in den Pausen schlicht eine Wohltat.


Der erste Tag in diesem Jahr und es ist schrecklich.
Den ganzen verdammten Tag sitze ich nun hier schon vorm Rechner und mache einfach nichts. Nichts. Literally! Meine Augen tun mittlerweile sehr weh und fangen an zu tränen. All die Rechnerluft und Todesstrahlung hier um mich rum, macht mich mürbe und zurichtungsbereit für den Rest der Arbeitswoche.
Grossartig. Voll auf die Tastatur geniesst.


Das Sinnvollste, was ich heute zustande gebracht habe, war der Versuch eine Wette zu gewinnen.
Da ich Teil 2 ohne grössere Probleme zur Hälfte durchspielte, bevor meine Zeit in der realen Welt zur Neige ging, dachte ich, ich könne auch Teil 1 schaffen (Ganz klar: Je höher die Zahl, desto schwerer.) und ging eine folgenschwere Wette ein. Da ich es jedoch bisher nur bis zum Level 29 schaffte, sind meine Erfolgsaussichten wohl recht dürftig.
Versucht euch!