Sitze gerade hier im EDV-Raum in "Geschichte" und sollte möglichst viele Informationen zum Suchbegriff "deutsches Reich" finden.
Als ich dann bei der Frage nach seiner Dauer einwand, dass das "deutsche Reich" formell immernoch fortbesteht, entwickelte sich die Diskussion zwischen dem Lehrer und mir dahingehend, dass er mir erzählen wollte, dass der einfachste Weg, ein "besiegtes Volk" zu schwächen, der sei, die "Identität des Volkes" zu zerstückeln. Meine Antwort wurde nur mit,
"'Morgenthau-Plan'... da kommt der mir hier mit 'Morgenthau-Plan'!"
beantwortet. Die auf meiner Zunge liegende Parole zu dem Thema verkniff ich mir dann jedoch lieber. Auch wenn ich nichtmal glaube, dass er es mir sonderlich übel genommen hätte. Aber nach seinem Identitäts- und Volk-Geschwafel wollt ich es lieber bleiben lassen.
Jetzt, nach der Pause, geht es weiter. Er wollte noch mit mir diskutieren, da ich ihm jetzt den Ausschnitt aus der Zeit gegeben habe. Nun versucht er sich rauszuwinden damit, dass er ja nieee bestritten hätte, dass ein Unternehmen auschließlich auf Profitmaximierung ausgerichtet sein kann.
Ich hätte es nie erwartet, aber ich habe es geschafft heute zwei Begriffe zu benutzen, die unter Garantie noch nie in diesem Bildungszentrum gefallen sind:
queer theory und Speziesismus.
Solche intellektuellen Höhenflüge werden dann jedoch sofort wieder relativiert durch Dialoge wie Folgenden:
"Was schätzen Sie, wie lang so ein Erbgut aus einer Zelle ist?"
"Einmal um die Erde!"
"Nein, da denken Sie viel zu gross..."
"Ein Hektar!"
"Äh... das ist ein Flächenmaß..."
"Dreissigtausend Kilometer!"
"..."
Irgendwann wäre ich auch sprachlos, wenn ich da den Lehrer spielen müsste.
Der Rückweg zum schlammigen Parkplatz wurde mir durch einen dieser seltenen Momente versüsst, in denen das Leben Humor und ein gewisses Gefühl für gutes Timing beweist:
Genau in dem Moment, als es für ihn kein Zurück mehr gab, sah sich der gut gekleidete Mittfünfziger, der nach gründlichem Umsehen in die Büsche direkt neben der Strasse, pinkeln wollte, einem um die Ecke biegendem, voll mit Schulkindern besetzten Linienbus gegenüber und versuchte panisch sich zu verstecken ohne sich zu bepinkeln.
Ganz, ganz grosses Kino.
Ich stand auf der anderen Strassenseite und habe tatsächlich laut gelacht.
Hach.
Freitag, 30. November 2007
Donnerstag, 29. November 2007
Tag 23
Woher soll ich denn ahnen, dass "im Winter" die erste Stunde für unsere Klasse pauschal ausfällt?
Sowas sagt mir ja auch niemand.
Der Vorteil der vertanen 45 Minuten - und 45 Minuten sind morgens um Sieben natürlich ungefähr so lang, wie drei Stunden am Rest des Tages - war jedoch, dass ich ungestört das halbe Berufskolleg zustickern konnte.
Letzte Woche hatte ich ja noch überlegt, aufgrund der einfach widerlichen Deutschtümelei des Deutschlehrers mal mit der Klassensprecherin zu reden, um den langen Marsch durch die Institutionen anzutreten. Tja, warum so kompliziert, wenn es auch viel einfacher und stilvoller geht:
Es stört mich übrigens unglaublich, dass eineN die meisten LehrerInnen duzen. Ich bin es gewohnt mit Vorname+"Sie" angeredet zu werden von LehrerInnen.
Und jede Stunde nehme ich mir aufs Neue vor, bei der ersten direkten Ansprache, in der ich geduzt werde, mit gleicher Münze zu antworten.
Und traue mich dann doch nicht.
Als ich dann die Antworten der türkischstämmigen Mitschülerinnen, auf die Frage nach den verschiedenen Unterkategorien des Islams, noch um den Wahhabitismus ergänzte, sprang meine Soldatinfreundin von Gestern auf:
Ich muss die irgendwie loswerden.
Sowas sagt mir ja auch niemand.
Der Vorteil der vertanen 45 Minuten - und 45 Minuten sind morgens um Sieben natürlich ungefähr so lang, wie drei Stunden am Rest des Tages - war jedoch, dass ich ungestört das halbe Berufskolleg zustickern konnte.
Letzte Woche hatte ich ja noch überlegt, aufgrund der einfach widerlichen Deutschtümelei des Deutschlehrers mal mit der Klassensprecherin zu reden, um den langen Marsch durch die Institutionen anzutreten. Tja, warum so kompliziert, wenn es auch viel einfacher und stilvoller geht:
Drei türkischstämmige Mädchen unterhalten sich zu Beginn der Stunde auf türkisch.
Lehrer: "Hey! Nur deutsch reden!"
Mädchen: "Siktir lan."
"Bitte?"
"Nix."
"Ah. Achso. Gut, also lasst uns anfangen..."
Es stört mich übrigens unglaublich, dass eineN die meisten LehrerInnen duzen. Ich bin es gewohnt mit Vorname+"Sie" angeredet zu werden von LehrerInnen.
Und jede Stunde nehme ich mir aufs Neue vor, bei der ersten direkten Ansprache, in der ich geduzt werde, mit gleicher Münze zu antworten.
Und traue mich dann doch nicht.
Als ich dann die Antworten der türkischstämmigen Mitschülerinnen, auf die Frage nach den verschiedenen Unterkategorien des Islams, noch um den Wahhabitismus ergänzte, sprang meine Soldatinfreundin von Gestern auf:
"Ey, da muss der Nicht-Türke euch erstmal zeigen, wie das geht? Boah!"
Ich muss die irgendwie loswerden.
Mittwoch, 28. November 2007
Tag 22
Feige Schweinebande!
Nachdem mein Kontrahent in der Diskussion vom vergangenen Freitag meinen unwiderlegbaren Beweis für meine These, dass jeder Konzern, egal wie gross, will er existieren, nur ein Ziel haben kann, nicht anerkennen wollte, halte ich nun in Händen, was auf ähnlichem Niveau sein sollte, wie seine aus Rankings und Tortendiagrammen zusammengeschusterte, Argumentation:
Schöne Arbeitsmoral hier.
Aber auf der anderen Seite, SchülerInnen die exakt sieben Minuten zu spät kommen, für einen Samstag zu fünf Stunden Nachsitzen herbeordern.
Schweinesystem, verdammtes!
Ganz schön viele speziesistische Beschimpfungen heute. Nicht gut.
Nachdem mein Kontrahent in der Diskussion vom vergangenen Freitag meinen unwiderlegbaren Beweis für meine These, dass jeder Konzern, egal wie gross, will er existieren, nur ein Ziel haben kann, nicht anerkennen wollte, halte ich nun in Händen, was auf ähnlichem Niveau sein sollte, wie seine aus Rankings und Tortendiagrammen zusammengeschusterte, Argumentation:
"Conn spricht aus, was Insidern längst klar ist: Ein Ölkonzern kann gar nicht grün sein. Ähnlich deutliche Worte findet der Mann mit dem messerscharfen Scheitel, wenn er über die Ziele von BP spricht. »Wir sind ein Unternehmen, keine Regierung!« Mit anderen Worten: An erster Stelle steht der Profit. Die Sorge um den Planeten kommt danach. Getan wird, was technisch möglich ist und was sich innerhalb der normalen Investitionszyklen rechnet. Wenn es sich grün verpacken lässt – umso besser."Und was ist? Dieses Wiesel von einem Lehrer meldet sich krank, um seiner Aufklärung zu entgehen.
Schöne Arbeitsmoral hier.
Aber auf der anderen Seite, SchülerInnen die exakt sieben Minuten zu spät kommen, für einen Samstag zu fünf Stunden Nachsitzen herbeordern.
Schweinesystem, verdammtes!
Ganz schön viele speziesistische Beschimpfungen heute. Nicht gut.
Tja, wurde doch noch recht ereignisreich der Tag.
Bin in "zur besonderen Verfügung" erst einmal knapp an der Abmahnung vorbeigeschrammt.
Wir diskutierten aus irgendeinem Grund über Homophobie im Reggae, als dieses Mädchen da losposaunte:
Bin in "zur besonderen Verfügung" erst einmal knapp an der Abmahnung vorbeigeschrammt.
Wir diskutierten aus irgendeinem Grund über Homophobie im Reggae, als dieses Mädchen da losposaunte:
"Scheiss Schwule! Scheiss Lesben!"
All die Argumente, die nachher kamen - Abmahnung wegen gewalttätigen Verhaltens; "Isch bin Türkin, Alter! Pass ma auf sonst lass ich dich fertig machen!" - fielen mir dann zwar auch nach und nach ein.
Aber da hatte der Kugelschreiber meine Hand ja schon verlassen.
Und als er dann traf, ging das Geschrei erst richtig los.
Kurzum: Der Lehrer war reichlich entrüstet über mein Verhalten und auch meine Argumentation, dass er uns ja noch vor einer Viertelstunde versucht hatte, zu erzählen, dass "verbale Beleidigungen eigentlich viel, viel schlimmer" seien, als körperliche Gewalt und ich mich also nur gewehrt hätte, liess er nicht gelten.
Leider hatte ich nicht genügend Kulis, um all diejenigen mit meinem Zorn zu strafen, die sich danach haltlos in Plattitüden ergingen:
Aber da hatte der Kugelschreiber meine Hand ja schon verlassen.
Und als er dann traf, ging das Geschrei erst richtig los.
Kurzum: Der Lehrer war reichlich entrüstet über mein Verhalten und auch meine Argumentation, dass er uns ja noch vor einer Viertelstunde versucht hatte, zu erzählen, dass "verbale Beleidigungen eigentlich viel, viel schlimmer" seien, als körperliche Gewalt und ich mich also nur gewehrt hätte, liess er nicht gelten.
Leider hatte ich nicht genügend Kulis, um all diejenigen mit meinem Zorn zu strafen, die sich danach haltlos in Plattitüden ergingen:
"Das ist halt ihre Meinung..."
"Meinungsfreiheit bla... steht im Grundgesetz!"
"Bei einer Diskussion müssen sich beide Seiten aufeinander zu bewegen..."
"Meinungsfreiheit bla... steht im Grundgesetz!"
"Bei einer Diskussion müssen sich beide Seiten aufeinander zu bewegen..."
Und die einzige Person, die mich sofort rückhaltlos unterstützte, war ausgerechnet, die, die vorher noch stolz erzählt hatte, wie sie bei ihrer freiwilligen Musterung die Fragen "Würden Sie ihre Familie erschiessen?" und "Würden Sie auch ein Kind erschiessen?" bejaht hat.
Grossartig. Bei solchen FreundInnen...
Nach der Diskussion musste ich in der Mittagspause erstmal raus da und mir eine Gesichtsmaske kaufen. Zum Glück hat das keineR von denen gesehen, sonst hätte ich ihre Vorurteile gegenüber Schwulen wohl nur noch bestärkt. Und das obowhl ich die obligatorische Frage:
Grossartig. Bei solchen FreundInnen...
Nach der Diskussion musste ich in der Mittagspause erstmal raus da und mir eine Gesichtsmaske kaufen. Zum Glück hat das keineR von denen gesehen, sonst hätte ich ihre Vorurteile gegenüber Schwulen wohl nur noch bestärkt. Und das obowhl ich die obligatorische Frage:
"Was regst du dich so auf? Bist du schwul?"
Mit "Ist das wichtig?" nicht beantwortet habe. Gut gemacht.
Warum ich nun von der Mittagspause anfange:
Auf dem Weg zum DM lief mir nämlich ein ziemlich langweilig aussehender Typ über den Weg und spielte Musik ab. Allerdings in derart guter Qualität, dass ich mich schon meiner Tiraden gegen Handymusik vom Vortag schämte. Bis ich bemerkte, dass er seinen eingeschalteten Laptop unterm Arm quer durch die Innenstadt trug.
Mein erster Impuls war, ihm das Ding zu klauen.
Nicht um es mir anzueignen, sondern einfach um ihm zu zeigen, dass sowas halt passiert, wenn mensch seinen/ihren Laptop unter den Arm geklemmt durch eine Innenstadt trägt.
Aber selbst wenn es mir gelungen wäre, das Gericht davon zu überzeugen, dass keine Absicht zur Aneignung oder zu Gunsten Dritter vorgelegen hätte, sondern rein pädagogische Gründe: Ich wäre wohl nicht damit durchgekommen.
Ausserdem hatte ich ja gar nichts gegen den armen Outdoor-Nerd.
Aber es gibt so Momente, in denen bestimmte Dinge einfach getan werden müssen.
Und da der Laptop ja in Betrieb war und ich aus eigener Erfahrung weiss, wie wenig Höhenenergie eine laufende Festplatte verträgt, verfiel ich auf Folgendes:
Ich überholte ihn, pendelte etwas nach Rechts, holte mein Handy aus der Tasche, tat als würde ich es sehr intensiv bedienen und machte einen linksseitigen Ausfall in Richtung eines Ladeneinganges als er auf meiner Höhe war.
Zum Glück ging mein Plan nicht auf und er konnte sein Gerät festhalten als ich ihn anrempelte.
Im Nachinnein tut es mir wirklich leid und ich bin sehr froh, dass es nicht geklappt hat.
Aber wie gesagt:
Manche Sachen müssen einfach getan werden.
Und meistens bleibt es anscheinend an mir hängen.
Ich bin auch immer der, der die Handabrücke neben die "Achtung! Frisch gestrichen!"-Schilder in die Farbe macht.
EineR muss es ja tun.
Warum ich nun von der Mittagspause anfange:
Auf dem Weg zum DM lief mir nämlich ein ziemlich langweilig aussehender Typ über den Weg und spielte Musik ab. Allerdings in derart guter Qualität, dass ich mich schon meiner Tiraden gegen Handymusik vom Vortag schämte. Bis ich bemerkte, dass er seinen eingeschalteten Laptop unterm Arm quer durch die Innenstadt trug.
Mein erster Impuls war, ihm das Ding zu klauen.
Nicht um es mir anzueignen, sondern einfach um ihm zu zeigen, dass sowas halt passiert, wenn mensch seinen/ihren Laptop unter den Arm geklemmt durch eine Innenstadt trägt.
Aber selbst wenn es mir gelungen wäre, das Gericht davon zu überzeugen, dass keine Absicht zur Aneignung oder zu Gunsten Dritter vorgelegen hätte, sondern rein pädagogische Gründe: Ich wäre wohl nicht damit durchgekommen.
Ausserdem hatte ich ja gar nichts gegen den armen Outdoor-Nerd.
Aber es gibt so Momente, in denen bestimmte Dinge einfach getan werden müssen.
Und da der Laptop ja in Betrieb war und ich aus eigener Erfahrung weiss, wie wenig Höhenenergie eine laufende Festplatte verträgt, verfiel ich auf Folgendes:
Ich überholte ihn, pendelte etwas nach Rechts, holte mein Handy aus der Tasche, tat als würde ich es sehr intensiv bedienen und machte einen linksseitigen Ausfall in Richtung eines Ladeneinganges als er auf meiner Höhe war.
Zum Glück ging mein Plan nicht auf und er konnte sein Gerät festhalten als ich ihn anrempelte.
Im Nachinnein tut es mir wirklich leid und ich bin sehr froh, dass es nicht geklappt hat.
Aber wie gesagt:
Manche Sachen müssen einfach getan werden.
Und meistens bleibt es anscheinend an mir hängen.
Ich bin auch immer der, der die Handabrücke neben die "Achtung! Frisch gestrichen!"-Schilder in die Farbe macht.
EineR muss es ja tun.
Dienstag, 27. November 2007
Tag 21
Wenn der dritte Block - "Aktuelles" - zum wiederholten Male ausfällt*, ist die freie Zeit zu lang, um in der Stadt zu bleiben und zu kurz, um nach Hause zu fahren.
Also mache ich das einzig Sinnvolle und fahre trotzdem nach Hause. So sitze ich zwar das Gros meiner kostbaren "Freizeit" im Auto, aber wenigstens bin ich da alleine.
Und keineR dieser Bekloppten nervt mich mit seinem/ihrem Handy.
Das läuft hier nämlich so, dass der Pöbel sich bei jeder Gelegenheit um die Tische im Aufenthaltsräumchen gruppiert und dann jede Tischcrew ein Kollektivhandy bestimmt, welches mittig auf den Tisch gelegt wird, um in unglaublich schlechter Qualität die jeweilige Musik zu plärren. Wenn mensch sich also nun einigermaßen in die Mitte des Raumes setzt, findet mensch sich im Hypozentrum einer R'n'B-Trance-HipHop-Melange wieder, welche durch den gemeinsamen Nenner des beinahe greifbaren blechernen Tons schon fast wieder harmonisch wirkt.
Auf eine jedes Musikempfinden verletzende Weise.
Aber irgendwie "passt" es halt einfach zusammen.
Da waren mir doch zu präpolyphonen Klingeltonzeiten die Kids lieber, die sich im Bus gegenseitig ihre Ringtones vorgespielt haben. Das klang wenigstens noch nach Commodore**.
Entweder also die Pause in der physischen Rauchglocke vor der Eingangstür verbringen, oder der mobiltelefonistischen Kakophonie ausgesetzt sein.
Denn unschlüssig über den Flur schleichen nur die AussenseiterInnen.
*"Ihr geht jetzt auf Akquise. Bestätigungen, dass ihr da ward braucht ihr nicht."
** Nur aus diesem Grunde habe ich noch ein uraltes Nokia 3210, welches ich auch, solang der Toneditor noch funktioniert, nicht hergeben werde.
Also mache ich das einzig Sinnvolle und fahre trotzdem nach Hause. So sitze ich zwar das Gros meiner kostbaren "Freizeit" im Auto, aber wenigstens bin ich da alleine.
Und keineR dieser Bekloppten nervt mich mit seinem/ihrem Handy.
Das läuft hier nämlich so, dass der Pöbel sich bei jeder Gelegenheit um die Tische im Aufenthaltsräumchen gruppiert und dann jede Tischcrew ein Kollektivhandy bestimmt, welches mittig auf den Tisch gelegt wird, um in unglaublich schlechter Qualität die jeweilige Musik zu plärren. Wenn mensch sich also nun einigermaßen in die Mitte des Raumes setzt, findet mensch sich im Hypozentrum einer R'n'B-Trance-HipHop-Melange wieder, welche durch den gemeinsamen Nenner des beinahe greifbaren blechernen Tons schon fast wieder harmonisch wirkt.
Auf eine jedes Musikempfinden verletzende Weise.
Aber irgendwie "passt" es halt einfach zusammen.
Da waren mir doch zu präpolyphonen Klingeltonzeiten die Kids lieber, die sich im Bus gegenseitig ihre Ringtones vorgespielt haben. Das klang wenigstens noch nach Commodore**.
Entweder also die Pause in der physischen Rauchglocke vor der Eingangstür verbringen, oder der mobiltelefonistischen Kakophonie ausgesetzt sein.
Denn unschlüssig über den Flur schleichen nur die AussenseiterInnen.
*"Ihr geht jetzt auf Akquise. Bestätigungen, dass ihr da ward braucht ihr nicht."
** Nur aus diesem Grunde habe ich noch ein uraltes Nokia 3210, welches ich auch, solang der Toneditor noch funktioniert, nicht hergeben werde.
Montag, 26. November 2007
Tag 20
Es wird in naher Zukunft ein Problem geben.
Ich verspüre jede Stunde den beinah unwiderstehlichen Drang meiner/meinem jeweiligen SitznachbarIn auf den Arm zu boxen und "Weitergeben! Ohne Rückfahrkarte!" zu rufen.
Ich merke, dass ich es irgendwann nicht mehr werde unterdrücken können.
Ich hoffe nur, dass ich dann nicht neben einem/einer dieser ganzen Verrückten sitze, die auf jede noch so nette Frage mit "HÄ? WATT?!" antworten.
Heute habe ich den ganzen Tag - also von Acht Uhr morgens bis halb Fünf am Nachmittag - "Bewerbungstraining" im EDV-Raum.
Also exakt Siebeneinhalb Stunden rumsitzen und versuchen nicht aufzufallen.
Denn wirklich zu tun gibt es hier Nichts.
Ich soll jetzt einen "Bewerbungsflyer" erstellen. Keine Ahnung wofür das gut sein soll, da es nur ein doppelseitiges A4-Blatt sein wird, auf dem dann sowas steht wie:
Ich verspüre jede Stunde den beinah unwiderstehlichen Drang meiner/meinem jeweiligen SitznachbarIn auf den Arm zu boxen und "Weitergeben! Ohne Rückfahrkarte!" zu rufen.
Ich merke, dass ich es irgendwann nicht mehr werde unterdrücken können.
Ich hoffe nur, dass ich dann nicht neben einem/einer dieser ganzen Verrückten sitze, die auf jede noch so nette Frage mit "HÄ? WATT?!" antworten.
Heute habe ich den ganzen Tag - also von Acht Uhr morgens bis halb Fünf am Nachmittag - "Bewerbungstraining" im EDV-Raum.
Also exakt Siebeneinhalb Stunden rumsitzen und versuchen nicht aufzufallen.
Denn wirklich zu tun gibt es hier Nichts.
Ich soll jetzt einen "Bewerbungsflyer" erstellen. Keine Ahnung wofür das gut sein soll, da es nur ein doppelseitiges A4-Blatt sein wird, auf dem dann sowas steht wie:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
hätten sie ein paar Minuten Zeit für mich?
Ich möchte mich Ihnen gern vorstellen.
Möchten Sie mehr über mich wissen?
Dann blättern Sie doch einfach um!"
Ich sehe ein, dass ich bestimmt kein Experte in Sachen "erfolgreich Bewerben" bin - sonst säße ich ja jetzt nicht hier - und ich erkenne auch an, dass die Menschen die hier arbeiten garantiert mehr Erfahrung haben als ich.
Aber was zur Hölle soll dieser Bewerbungsflyer?
Wenn ich mich an die Vorlage halte, wird das Ding nachher so unglaublich dilletantisch aussehen, dass das ZK der ausbildenden MediengestalterInnen ein Memo rumschicken wird, mit meinen Daten, auf dass ich auf Lebzeiten auf deren roten Liste stehe und alle Bewerbungen in Zukunft ungeöffnet zurück bekomme.
Wenn ich allerdings hingehe und die Vorlage komplett überarbeite und einigermaßen anschaulich mache, so sieht das Ding zwar nicht mehr so verboten aus, Sinn machen wird es trotzdem nicht.
Ich stelle mir nur vor, was ich von jemandem hielte, wenn ich, in meiner fiktiven Position als Bereichsleiter Personalmanagement, solch einen Wisch zugeschickt bekäme.
Das Ding bringt gar nichts: Wenn ich das irgendwohin schicke, ist der einzige Effekt, der, dass der Betrieb mich dann anrufen soll um mich um eine Bewerbung zu bitten. Grossartig.
Das wird meine Chancen auf dem Ausbildungsmarkt drastisch erhöhen, wenn ich jetzt auch noch um meine Bewerbung bitten lasse.
Und wenn die beiden Bekloppten in der Reihe vor mir nicht endlich aufhören sich gegenseitig Blodinenwitze vorzulesen, mach ich ihre Rechner kaputt:
Aber was zur Hölle soll dieser Bewerbungsflyer?
Wenn ich mich an die Vorlage halte, wird das Ding nachher so unglaublich dilletantisch aussehen, dass das ZK der ausbildenden MediengestalterInnen ein Memo rumschicken wird, mit meinen Daten, auf dass ich auf Lebzeiten auf deren roten Liste stehe und alle Bewerbungen in Zukunft ungeöffnet zurück bekomme.
Wenn ich allerdings hingehe und die Vorlage komplett überarbeite und einigermaßen anschaulich mache, so sieht das Ding zwar nicht mehr so verboten aus, Sinn machen wird es trotzdem nicht.
Ich stelle mir nur vor, was ich von jemandem hielte, wenn ich, in meiner fiktiven Position als Bereichsleiter Personalmanagement, solch einen Wisch zugeschickt bekäme.
Das Ding bringt gar nichts: Wenn ich das irgendwohin schicke, ist der einzige Effekt, der, dass der Betrieb mich dann anrufen soll um mich um eine Bewerbung zu bitten. Grossartig.
Das wird meine Chancen auf dem Ausbildungsmarkt drastisch erhöhen, wenn ich jetzt auch noch um meine Bewerbung bitten lasse.
Und wenn die beiden Bekloppten in der Reihe vor mir nicht endlich aufhören sich gegenseitig Blodinenwitze vorzulesen, mach ich ihre Rechner kaputt:
"Hier! Der ist gut!"
"Sach!"
"Was antwortet eine Blondine, wenn man sie nach vier Flüssen fragt?"
"Haha keine Ahnung!"
"Rhein-Inn-Main-Po!"
"Hahahahahahahaha! [Pause] "Inn" kenn ich nicht, aber der Rest ist witzig!"
"Das istn Fluss."
"Hahaha achsoooo!"
Und das machen die schon seit dreissig Minuten!
Das hier ist embedded journalism direkt aus dem Wahnsinn.
Die Beiden vor mir sind jetzt, nach zweieinhalb Stunden, von Blondinenwitzen in die Sparte "versaute Sexwitze" gewechselt:
"Sach!"
"Was antwortet eine Blondine, wenn man sie nach vier Flüssen fragt?"
"Haha keine Ahnung!"
"Rhein-Inn-Main-Po!"
"Hahahahahahahaha! [Pause] "Inn" kenn ich nicht, aber der Rest ist witzig!"
"Das istn Fluss."
"Hahaha achsoooo!"
Und das machen die schon seit dreissig Minuten!
Das hier ist embedded journalism direkt aus dem Wahnsinn.
Die Beiden vor mir sind jetzt, nach zweieinhalb Stunden, von Blondinenwitzen in die Sparte "versaute Sexwitze" gewechselt:
"Was ist das: schwarz-rot-schwarz-rot-schwarz-rot?"
"Haha keine Ahnung!"
"Ein Neger beim Wichsen!"
"Hohoho..."
"Nur das mit dem "rot" kapier ich nicht..."
"Ich auch nicht..."
"Haha keine Ahnung!"
"Ein Neger beim Wichsen!"
"Hohoho..."
"Nur das mit dem "rot" kapier ich nicht..."
"Ich auch nicht..."
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