#4 berufsvorbereitende Bildungsmassnahme

Donnerstag, 24. Juli 2008

Letzter Tag

Das war es.
Heute musste ich nur noch im Bildungszentrum vorbei und ein kurzes Abschlussgespräch führen.
Bedeutet, für mich beginnt jetzt erst einmal mein, wie ich finde, wohl verdienter Urlaub bis zum Ausbildungsantritt am 4. August.
Abhängig davon, wann ich wieder im Lande bin, wird es dann auch ein abschliessendes Fazit zur ganzen Massnahme geben. Danach werde ich dann dem kleinen Kreis der Menschen deren Kontaktdaten ich mir geben liess, eine Mail mit dem Link hierhin schicken. Eventuelle Reaktionen werden dann gegebenenfalls auch noch hier geposted und dann war es das mit diesem Blog. Ich bin mir immernoch uneins, ob es einen nachfolgenden Bauzeichner-Ausbildungs-Blog geben wird.

Mittwoch, 23. Juli 2008

Tag 152 (T minus 1 Arbeitstag)

Morgen ist mein letzter Tag. Genaugenommen endet meine Massnahme am 25. aber da ich an diesem gern in den Urlaub führe, erklärte sich meine Bildungsbegleiterin dazu bereit, das obligatorische Abschlussgespräch einen Tag vorzuziehen auf den 24..
Da ich allerdings noch Urlaubsvorbereitungen zu erledigen habe und hier auf der Arbeit immer betonte, mein Urlaub finge am 24. an, bemühte ich grad ein gestelltes Handygespräch mit meiner Bildungsbegleiterin, um zu behaupten, ich müsse um 13 Uhr am Bildungszentrum sein. Wurde anstandslos durchgewunken.
Und nicht nur das:
Ich sollte es auch dem Chef mitteilen, dass ich dann ab Mittag weg bin und dann meinen Urlaub antrete, woraufhin er mit mir noch einmal die Terminplanung der nächsten Wochen durchging und feststellte, dass meine Ausbildung an einem Freitag anfängt. Nach kurzer Rücksprache mit dem restlichen Personal wurde mir dann dieser Freitag auch noch erlassen, so dass mein Auslandsaufenthalt sich um zwei Tage verlängert.
Bis 13 Uhr sitze ich nun also hier und stelle sieben Ausfertigungen einer Akte zusammen, die heute an die Stadt geschickt werden sollen. Damit bin ich jedoch leider gleoch um 11:30 Uhr schon fertig. Zwischendurch sollte ich einen Übersichtsplan eines Spielplatzes falzen, an dessen Rand die jeweiligen Produktpräsentationen der einzelnen Gerätehersteller platziert waren.
Eine davon (siehe oben) stach in jeder Hinsicht deutlich hervor. Nicht nur durch das hippe Design, als viel mehr dadurch, dass ich nicht wüsste was damit anzufangen. Und ganz abgesehen davon, erinnern die "spielenden" Kinder mich an irgendetwas:
Wobei ich mich kaum entscheiden kann welche Version ich besser finde. Das Original von Goya, den von den Gebrüdern Chapman überarbeiteten Druck oder die zugehörige Plastik der beiden. Habe mittlerweile fast alle drei im Original gesehen und feiere alle ab.

Dienstag, 22. Juli 2008

Tag 151 (T minus 2 Arbeitstage)

Nun denn. Dies hier wird einer der letzten Einträge werden.
Die letzte Woche war reichlich anstrengend. Seit Dienstag war ich krank. Was zuerst mit einer leichten Erkältung oder Ähnlichem begann, wuchs sich soweit aus, dass nun eine Woche darauf eine Person hier nur unter Husten und anderen Symptomen arbeiten kann, während eine weitere gar nicht erschien.
Bereits letzten Montag ging es mir nicht gut. Allerdings aus anderen Motiven, da die Tags zuvor bestellte Pizza nicht gut und nicht durch war. Bei der Gelegenheit habe ich mich dann auch endlich hier am Arbeitsplatz geoutet als ich klarstellen musste warum ich denn nun krank bin und erzählte, dass ich ja einer von diesen Veganern bin und der Mensch der meine Pizza machte sich wohl nur am Zustand des Käses orientiert wenn es darum geht ob sie nun durch ist oder nicht. Kurzum, alle die von der pampigen Matschpizza aßen wurden krank. Nicht sonderlich, aber doch genug um meinen Arbeitswillen zu brechen. Wozu allerdings auch nicht viel gehört. Hatte mich also Montag völlig demotiviert und kränkelnd zur Arbeit geschleppt. Einzig um endlich mit meinem unterschriebenem Ausbildungsvertrag in der Hand noch vorm Mittag zum Arzt zu gehen. Es kam natürlich wie es kommen musste, und auch nachdem ich mehrmals beim Chef nachgefragt hatte blieb es nur bei der Versicherung "das machen wir gleich als erstes". Machten wir natürlich nicht. Immerhin konnte ich darauf pochen, dass es gleich am Dienstag erledigt wird. Also Dienstag mit der beginnenden Erkältung/Grippe hingeschleppt, einzig um den Vertrag abzuholen. Wurde wieder nichts. Wieder bis 16 Uhr gearbeitet. Allerdings habe ich es durch konsequentes Benörgeln der zuständigen Sekretärin geschafft, alle nötigen Eintragungen in den IHK-Vordruck vorzunehmen und das Unterschriftbereite Formular dem Chef vorzulegen. Natürlich kam dann kein "Oh ja kein Problem das unterschreibe ich jetzt sofort, da du ja nun seit Ewigkeiten darauf wartest", sondern ein "Oh... hmm... ja das nehme ich mal mit und unterschreibe das dann zu Hause. Ich bringe das dann morgen früh wieder hier vorbei.".
Also am Mittwoch nunmehr völlig krank ins Büro gekommen, nur um dann von der Sekretärin mit einem "Oh... tja... er hat dir gesagt er bringt den heute morgen vorbei? Naja, er wollte heute eigentlich gar nicht kommen..." empfangen zu werden. Trotzdem wartete ich bis 14 Uhr, da es eine Menge zu tun gab und er ja immernoch hätte reinschneien können. Mir war dann natürlich klar, dass ich den Tag wieder ohne unterschriebenen Ausbildungsvertrag abschliessen würde, aber immerhin rief der Chef dann exakte zwei Minuten nachdem ich klarstellte, dass ich nicht mehr arbeiten könne und nach Hause fahren werde, an, um mir ausrichten zu lassen, es sähe so aus als schaffe er es nicht mehr heute vorbeizukommen. Den Donnerstag hatte ich wie üblich frei und am Freitag lag dann doch tatsächlich der vom Chef unterschriebene Vertrag bereit.
Bei der Ausfüllung wurde aber wohl ein wenig stille Post gespielt. Der Chef wollte wohl einen mit einer 3 beginnenden Betrag im ersten Jahr eintragen, was von der dienstälteren Sekretärin eigenmächtig in eine 4 umgewandelt wurde, da sie den anderen Betrag als zu niedrig empfand. Nachdem nun alle Unterschriften drunter waren, kam die jüngste Bauzeichnerin, jene die mich die ganze Zeit über betreut, an und meinte es sei davon auszugehen, dass die IHK wohl noch nachträgliche Änderungen vornehmen werde, da auch der neue Betrag unter deren Standarts läge und daher nach oben korrigiert werden könnte. So ganz nachvollziehen konnte ich es nicht. War mir aber auch egal, da ich den Kern der Nachricht "mit ein bisschen Glück kriege ich mehr Geld" rausfiltern konnte. Das Ding wurde also nun Freitag zur IHK geschickt und ich konnte endlich zur Feier des Tages essen gehen.
Am gestrigen Montag nun ging bei mir gar nichts. Ich war immernoch viel zu krank und da ich fast die ganze letzte Woche krank und trotzdem arbeitend verbracht hatte, musste ich mir einfach diese Auszeit noch nehmen.
Der Vertrag ist noch nicht von der IHK zurück. Ich weiss also weder was ich nun verdienen werde, noch wann genau ich zur Berufsschule muss. Bei der jüngsten Bauzeichnerin, die wohl unter ähnlichen Konditionen gelernt hat wie es tun werde, waren es der Montag und der Donnerstag. Solang es nicht der Freitag ist, an dem ja hier um 13:15 Uhr Schluss ist, ist mir alles recht. Dazu kommt noch, dass die Schule bei mir um die Ecke ist. Am besten wäre Montags und Mittwochs, dann habe ich die regulären Arbeitstage so eingebettet, dass sich die Woche ganz gut überstehen lassen sollte. Allerdings werde ich ja auch nur alle zwei Wochen zwei Schultage und an den anderen immernur einen haben. Aber das klappt schon.
Vor Ausbildungsbeginn am 1.8. will ich jedoch noch eine Woche Urlaub machen. Deswegen habe ich ja diesen bereits geschilderten Plan entworfen einige Tage mehr in der Woche hier zu arbeiten um mir dann die benötigten vier freien Tage nehmen zu können. Am 24. muss ich noch einmal im Bildungszentrum vorbei um mein Abschlussgespräch zu führen. Welches eigentlich am 25. hätte stattfinden sollen, jedoch konnte ich vermitteln, dass ich wenig Lust hätte dafür meinen Urlaub um einen Tag zu verkürzen. Nun gehe ich also am 24. vorbei und werde dann als "in Ausbildungsverhältniss vermittelt" eingetragen. Lediglich ob ich die gewünschte Kopie meines Vertrages werde mitbringen können ist fraglich, da dieser sich immernoch bei der IHK befindet.
Jetzt hadere ich natürlich mit mir, ob ich hier nun sagen soll, dass mein Urlaub am 24. beginnt und ich vorher, also morgen am 23., zum Bildungszentrum muss um mir dann morgen zumindest den halben Tag frei zu nehmen, oder ob ich morgen pflichtbewusst die ganzen 9 Stunden abreissen soll. Meine Tendenz dürfte erahnbar sein.

Montag, 7. Juli 2008

Tag 142 (T minus 10 Arbeitstage)

Ich überlege ja schon, ob ich im Notfall meine Ausbildung hier einklagen kann. Schliesslich habe ich mehrere mündliche Zusagen des Chefs bekommen. Nur ist der Typ bisher mit keinem Vertrag rübergekommen. Er wollte es heute machen. Oder zumindest "Anfang dieser Woche" (mal wieder). Ich werde also gleich mal zu ihm hin und nachfragen. Ich frage mich ob ich den Vertrag direkt unterschreiben, oder erst einmal mitnehmen und meine Bildungsbegleiterin drüber gucken lassen soll. Viel ändern würde es nicht, aber ich unterschreibe ungern Sachen von denen ich keine Ahnung habe. Ich weiss ja bisher nicht einmal wie hoch mein Lohn sein wird.
Mir wurde geraten in der Probezeit keiner Gewerkschaft beizutreten. Ersteinmal muss ich rauskriegen ob es überhaupt eine BauzeichnerInnengewerkschaft gibt. Falls nicht, naja: "... gibt es keine Kampfpartei, müssen wir sie gründen!"

Freitag, 4. Juli 2008

Tag 141

"Hast du schon mitbekommen, oder? Dass wir heute nach der Arbeit kegeln gehen? Du bist natürlich eingeladen!"
Tja scheisse. Was sagste da? "Oh ne danke, das ist selbst mir zu spiessig und urdeutsch, da verbringe ich meine spärliche arbeitsfreie Zeit lieber privat und mit den Menschen, für die ich ohnehin schon kaum Zeit habe."
Zusammengefasst habe ich es dann zu "Ah verdammt! Ja klar komme ich mit! Aber blöderweise muss ich unbedingt jemandem vom Bahnhof abholen. Mist." - "Ach egal kommste halt nächstes Mal mit..." - "Ja klar! Supergerne!" Ich dachte ja es sei solche eine jährliche Betriebsausflugsgeschichte - "...wir gehen ja jetzt jeden Monat."
Ja scheisse. Nix da. Wenns wenigstens noch Bowling also ein Sport im Gegensatz zu einem Vorwand um in irgendnem Kneipenkeller zu saufen, wäre. Aber mit dem Haufen hier Kegeln? Oh Gott. Jetzt darf ich also einmal im Monat Leute vom Bahnhof abholen müssen.

Dieser Blog neigt sich dem Ende zu. Am 25.7. läuft meine Massnahme aus. Gut, das Praktikum geht noch bis zum 30.7. weil wir da irgendwas durcheinander gebracht haben, aber die letzte Woche werde ich ohnehin urlaubend verbringen. Daher ist mein letzter Tag auch schon der 24., an welchem ich noch einmal im Bildungszentrum vorstellig werden muss und woraufhin ich dann am 25. als "in Ausbildung entlassen" eingetragen werde. Werde also am 24. all den netten Menschen die auf meiner Liste stehen eine Mail schreiben und ihnen den Link schicken. Dann eine Woche Urlaub ohne Internet und die Möglichkeit die Reaktionen zu begutachten, dann setze ich mich noch einmal an ein abschliessendes Fazit und dann wird dieser Blog hier geschlossen. Ob ich nahtlos mit einem Bauzeichnerblog anschliessen werde sei noch dahingestellt. Schliesslich haben Quantität und Qualität im Vergleich zum Beginn hier doch stark nachgelassen.
So, noch 11 Arbeitstage.

Montag, 30. Juni 2008

Tag 138

Der Grund, weswegen wir die Verkehrszählung machen mussten, war, dass die Verkehrsführung an dieser Stelle und in dem Bereich drumherum ziemlich mies ist. Die Rad- und Fusswege sind nur sehr spärlich ausgebaut und teils sehr gefährlich. Drei Tage nach unserer Zählaktion wurde dementsprechend auch eine 54-jährige Radlerin unweit entfernt totgefahren.

Am Freitag, den 27.06.2008, gegen 17:36 Uhr, befuhr eine 54-jährige Radfahrerin mit ihrem Fahrrad den Radweg der [besagten] Straße [...] in Fahrtrichtung Innenstadt. Etwa 1,2 km westlich der Kreuzung [...] beabsichtigte ein 44-jähriger LKW-Fahrer aus [einer anderen Stadt] aus der Zufahrt eines Baubetriebes zu fahren, wozu er den Radweg querte. Hierbei übersah er die Radfahrerin, die unter den LKW geriet. Die Radfahrerin wurde mit einem Rettungshubschrauber einem Krankenhaus zugeführt, wo sie später verstarb.
Da kann ich jetzt auch nicht soviel Witziges mehr zu sagen. Bin mal besser ruhig. Ist auch nicht so, dass ich nicht mehr als genug zu erledigen hätte. Morgen werde ich wohl nicht zum Schreiben kommen, obwohl morgen mein neuer Laptop geliefert werden dürfte, ich also nichts lieber täte als vorm Rechner zu hängen. Termine, Termine, Termine!

Dienstag, 24. Juni 2008

Tag 137

Ich könnte kotzen. Nicht dass mein Tag nicht ohnehin schon stressig genug wäre, nein, die dreieinhalb Stunden Schlaf machen die Sache nicht besser. Um halb fünf aufstehen! Verdammt!
Nur um dann um halb sechs bei der Arbeit zu sein, die Wagen zu tauschen, mit dem Firmenwagen zu der dämlichen Kreuzung im Nichts zu fahren, dort dann den bekloppten Schwiegersohn zu treffen und drei Stunden mit ihm Autos zu zählen. Danach erst noch eine Runde Joggen und dann wieder zur Arbeit, Autos tauschen, weiter - verschwitzt - zum Bildungszentrum um meinen Urlaub für morgen und übermorgen klarzumachen. Dann nach Hause, duschen, Sachen packen für die nächsten sechs Tage, wieder zur Arbeit, von 15 bis 19 Uhr mit dem Honk Autos zählen, wieder Autos switchen, ein paar Stunden Fahrt und dann endlich ein paar Tage frei.

Hat alles geklappt soweit. Die erste Runde Autos zählen war hart. Insofern, als dass ich total müde war, kaum ein Auto kam und ich regelmässig eingenickt bin. Glaube aber ich habe nicht viele Autos verpasst dadurch. Und grossartig aufgefallen sein dürfte es dem Mitzählendem auch nicht. Das Joggen danach war dagegen super. Heidelandschaft, super Wetter, super Musik und dann 50 Minuten durch den Sand rennen. Danach war ich wach und gut gelaunt. Diese Laune hielt sich dann auch noch, als ich im Bildungzentrum war um bei meiner endlich aus ihrem Urlaub zurückgekehrten Bildungsbegleiterin wegen meiner Urlaubstage vorzusprechen. Wie sich herausstelle habe ich noch 15 freie Tage und müsste wohl nur noch 10 mal zu Bildungszentrum und Berufsschule. Da ich aber in letzter Zeit die meisten Bescheinigungen dass ich beim Arzt war und deshalb nicht zur Berufsschule konnte, weswegen die Berufsschule beim Bildungszentrum nachgefrafgt hatte, verschludert habe, rechnet mir meine Bildungsbegleiterin die 5 überschüssigen Urlaubstage rückwirkend auf die vergangenen Donnerstage an. Ich habe mir nun erst einmal für diese Woche Mittwoch und Donnerstag freigenommen. Der Freitag ist ja auch frei, weswegen ich erst Montag wieder ans Schuften muss. Allerdings habe ich trotzdem noch eine Menge zu tun, aber bin immerhin nun endlich mal ein paar Tage weg und muss nicht immer die gleichen Leute sehen und die gleichen Sachen machen. Mein Plan für die nächsten Wochen wird wohl so aussehen, dass ich kommenden Dienstag endgültig fest mache, dass ich die Mittwochs und Donnerstage frei nehme, dann werde ich zwei oder drei Wochen statt drei fünf Tage im Praktikum arbeiten, um mir dann ein bis zwei Wochen komplett freizunehmen um dieses Jahr auch noch einmal verreisen zu können.

Nun bin ich ersteinmal bis Montag abwesend.

Montag, 23. Juni 2008

Tag 136

Habe heute fast ausschliesslich an der Auswertung der gestrigen Zählung gesessen. Nach einer halben Stunde des Zählens, wurde mir klar, dass das System des Fünferpäckchens (vier Striche + einmal schräg drüber) völlig unpraktikabel ist, da ich zuviel Zeit brauche um nachzusehen ob ich nun schon vier Striche gemacht habe und wo denn nun der Querstrich hinkommt. Da ich nach etwa einer Stunde ohnehin kaum noch aufsehen musste, um zu wissen ob grad ein Krad oder PKW geradeaus fährt oder irgendwohin abbiegt, machte ich also nur noch in Echtzeit für jedeN VerkehrsteilnehmerIn einen Strich. Das heutige Zusammenzählen gestaltete sich ebenfalls als sehr einfach, da meine Strichliste sehr sauber und eindeutig war und ich nun nur noch für jeden gemachten Strich, welchen ich mit meinem Kuli beim Abzählen berührte mit der anderen Hand irgendeine Taste am Laptop drücken musste, um mir dann von Microsoft Word die Buchstaben zählen zu lassen. Problematisch wurde es erst, als ich meine Zettel fertig und seine vor der Brust hatte. Zu vorderst fiel auf, dass er, seiner maßlosen Überforderung zum Trotz an seinem Fünferpäckchensystem festhielt. Blöderweise konnte er nicht bis fünf zählen. Blöderweisiger war er nicht in der Lage den Querstrich schräg zu machen, auf dass er Anfang und Ende des Päckchens begrenze, sondern führte ihn horizontal. Was natürlich dazu führte, dass die einzelnen Päckchen zu einer endlosen Aneinanderreihung anwuchsen. Spasseshalber mischte er regelmässig zwischen einem und bis zu sieben Einzelstriche zwischen seine, mal vier, mal sechs Striche zählenden, Päckchen.
Der Knaller aber sind seine Ergebnisse. Aus dem Nichts hat er insgesamt 3 LKWs gezählt, von denen nur einer existierte und dieser auch nur auf einer meiner Spuren, so dass auf seinen Zetteln kein einziger LKW auftauchen dürfte. Und einen LKW habe ich gewiss nicht übersehen. Noch besser jedoch ist, dass in den fünfzehn Minuten, die der Chef (er musste seinen Schwiegersohn natürlich abholen) bei uns war, seine Zahlen auf einmal in die Höhe schnellen:
Geradeaus: 47, 36, 44, 92
LinksabbiegerInnen: 33, 28, 35, 89
Supertyp. Wirkt gar nicht so, als hätte er vorher nur die Hälfte aufgeschrieben und dann Angst gehabt der Chef würds merken, als er ihm über die Schulter sah. Und ich darf mich jetzt mit seinen vermurksten Werten rumschlagen.

Grad komme ich unten am Tresen vorbei, liegt dort eine Deutschlandfahne. Viel schlimmer war jedoch, dass ich ein Paket Wäscheleine in die Hand gedrückt und den Auftrag bekam, die Fahne am Fahnenmast vorn im Garten - welchen ich bisher nicht entdecken konnte - zu hissen. Was mache ich denn jetzt? "Bis Mittwoch muss die hängen!". Da ich aber morgen nicht mehr wirklich hier bin müsste ich das also nun heute machen, sonst krieg ich nachher Ärger weil ich das einfach habe liegen lassen. Andererseits fällt es dann vielleicht auch nicht auf mich zurück, da mir gesagt wurde ich solle das morgen machen und ich mich damit rausrede, dass ich vergessen hatte, dass ich morgen wieder den ganzen Arbeitstag mit mit dem Schwiegerdeppen in der Ödnis stehen darf.

Sonntag, 22. Juni 2008

Tag 135

Es war schlimm. Es war wirklich schlimm.
Der Schwiegersohn des Chefs erwies sich als der letzte Vollhonk. Fett, scheisse angezogen, dumm, humorlos... Er hatte erschreckende Ähnlichkeit mit Napoleon aus dem Bildungszentrum. Wir standen also mit dem Firmenwagen an der Kreuzung mitten im Nichts. Ich habe mir direkt den auffaltbaren Liegestuhl und den für Schwiegersohn mitgebrachten Stuhl aus dem Besprechungszimmer gesichert, mich schön relaxed hingelümmelt und meine sechs Stunden runtergerissen. Naja, dass hätte ich, wenn dieser Depp mich nicht in regelmässigen Abständen daran erinnert hätte, dass er noch da ist. Beispielsweise alle 30 Minuten wenn der Linienbus vorbeikam mit seinem "Der Bus!". Was antwortet mensch da nach fünf Stunden drauf?
Ich hatte ja eigentlich darauf spekuliert, dass die ganze Chose abgesagt wird, da es hiess, bei Regen sei es unsinnig zu zählen, da dann die ganzen RadlerInnen fern blieben. Leider wurde aus der ganztägig ausgesprochenen Unwetterwarnung einfach mal nichts und es fing erst 30 Minuten vor Ende an zu regnen.
Das Interessante ist jetzt, wie mir dieser Sonntag vergütet wird. Mit meiner Aufseherin hatte ich irgendwann zwischen Tür und Angel abgemacht, dass ich dafür einen Tag frei bekäme. Nun kam aber der Chef die Tage an und sagte, er "werde mal sehen," dass ich dafür "ein paar Euro" bekäme. Da ich vorhabe mir möglichst viele kommende Mittwoche und Donnerstage freizunehmen, käme mir ein ebenfalls freier Freitag diese Woche sehr gelegen. Vor allem, da ich mir schon ausmalen kann, was "ein paar Euro" sein werden. Ich habe das mal für mich durchgerechnet.
Arbeitsbeginn 11:15
Arbeitsende 18:15
genommene Pause 8 Minuten
zuzüglich der mir zustehenden Pause von 22 Minuten
plus meinen ganz eigenen Sonntagszuschlag von 25%
Macht etwas über 9 Stunden, was mir zu schwierig ist in Zeiteinheiten zu formulieren, weswegen ich es abrunde. Bei solch einem Job, der zwar nicht schwer, aber unglaublich anstrengend ist, verlange ich dafür 8€/h, was einem von mir geforderten Lohn von 72€ entspräche. Mal sehen wieviel der Chef mir geben will. Eigentlich hätte ich ja lieber den Freitag frei. Wenn er mir mit 30€ kommt, ich ihm dann vorrechne wieviel ich gern hätte und dann einlenke und sage, dass ich mich auch mit einem freien Tag begnügen würde, wird das sicher hinhauen.

Freitag, 20. Juni 2008

Tag 134

Oh mein Gott. Habe ich schon erwähnt, dass ich kommenden Sonn- und Dienstag Verkehrszählungen machen darf? Sonntag von 12 bis 18 Uhr und Dienstag von 6 bis 9 und von 15 bis 19 Uhr. Ich darf also nun den gesamten verdammten Sonntag im Auto an einer insgesamt zwölfspurigen Kreuzung nahe eines stark frequentierten Erholungsgebietes stehen und in ebensoviele Tabellen wie vorhandene Spuren Striche machen, sortiert nach Fahrrad, Krad, PKW, LKW, Lastzug und Sonderfahrzeuge/Busse. Nicht nur, dass ich alle 15 Minuten eine neue Zeile anfangen muss, damit es nachher viertelstundengenau ausgewertet werden kann, die Überforderung fängt ja schon bei der Unterteilung von LKW und Lastzug an. Und dann darf ich da den ganzen verdammten Tag mit Klemmbrett im Auto sitzen. Aug in Aug mit der anderen armen Seele an der gegenüberliegenden Kreuzungsseite. Wie früher bei den DDR-Grenzschützer(Innen?)n: Immer zu zweit, damit die sich gegenseitig kontrollieren. Einer alleine könnte ja Westagent sein und eventuelle Flüchtlinge einfach gewähren lassen. Mit zwei Menschen die sich jedoch nicht kennen war es jedoch nur sehr schwer möglich, solch ein Verhalten an den Tag zu legen und so haben vermutlich auch Paarungen, die nur aus "systemkritischen" Grenzern bestanden ihr Plansoll an Abschüssen erfüllt. Genug der diffarmierenden DDR-Vergleiche. Schliesslich bin ich ja heut auch mit meinem sowjetrotem, vor 28 Jahren planwirtschaftlich produziertem, Ost-Mopped hier. Ha! Und ich darf damit viel schneller fahren als all die Plastikroller des Klassenfeindes. Wenn die mich da allein hinstellen würden, würd ich mir einfach vorher eine ähnliche Verkehrszählung an einer vergleichabren Situation und Tageszeit hier aus unseren Akten suchen, das in etwa übertragen und mir ein paar blöde Stories einfallen lassen, wie etwa von dem Radfahrer der alle zwanzig Minuten einmal vorbeikam und von dem ich schon dachte er mache es nur um mir meine Statistik zu versauen. Aber das würde wohl auffallen wenn ich nachher da etwas völlig anderes auf den Zetteln stehen hätte als mein Leidensgenosse und meine Zahlen sich exakt mit denen der Zählung zwei Strassen weiter von vor drei Jahren decken würde.
Ich muss also alles daran setzen ihn zu korrumpieren, damit wir nur jeweils die halbe Zeit machen und dann die Ergebnisse ergänzen und einige Fehler einbauen. Das Schlimme ist ja, dass ich da wahrscheinlich noch nicht einmal Geld bekomme, die andere Person jedoch schon. Mistsack. Ich kann ja noch nichtmal den eeePC mit Filmen vollpacken, ich muss ja auf die verdammte Strasse gucken. Und seit ich unter ungeklärten Umständen all meine über 90 Benjamin-Blümchen-Folgen verlor, war ich zu traumatisiert um mir neue Hörspiele oder Hörbücher zu besorgen. Mit Ausnahme von diesem hier.

Das ist mir hier viel zu ländlich!
Ich habe ja schon angedeutet, dass es da bisher zwei getierliche Zwischenfälle hier gab.
Der erste begab sich, als ich die Herrentoilette im Keller aufsuchte und mich nichtsahnend einem auf dem Fensterbrett sitzendem Frosch auf Augenhöhe gegenübersah. Habe ihn natürlich eingefangen und in das angrenzende Miniwäldchen gebracht. Hinderte ihn oder einen Artgenossen jedoch nicht daran, einige Tage später erneut durch das Abdeckgitter des Lichtschachtes zu fallen. Allerdings liess sich dieser Frosch dann nicht einfangen und harrte drei Tage in einer kleinen Röhre aus, ehe ich ihm eine Leiter aus einer alten Papprolle des Plotterpapiers basteln konnte. Welche mittlerweile ziemlich eklig durchgeweicht sein dürfte.
Die zweite Begebenheit liegt weniger lang zurück und bestand aus einer direkt vor der Eingangstür zischelnden Blindschleiche. Ich Stadtkind dachte natürlich sofort an an einen langsamen Tod durch Muskelversagen und ein In-Gänze-Verschlungenwerden. Woher soll ich auch Blindschleichen von todbringenden Teufelsschlangen zu unterscheiden wissen? Habe sie dann natürlich ebenfalls in die angrenzende Wildnis gebracht.
Vorhin rannte nun hier erst einmal ein Eichhörnchen durch den Garten direkt vor meinem Fenster. Mir reichts langsam. Auf der abstrakten politischen Ebene bin ich natürlich solidarisch mit all diesen Kreaturen, aber bei der direkten, persönlichen Konfrontation find ich die dann nicht so cool. Oder um es mit einem antispeziesistischen Genossen zu sagen: ""Tierfreund"? Ich bin doch kein Tierfreund! Ich bin doch auch kein "Migrantenfreund" oder "Frauenfreund"!"
Ich halte es da eher mit Robotern. Heut müsste auch mein neulich erstandener Meerschweinchenbot aus Englang eintreffen. Bin schon arg gespannt. Hab ja nicht umsonst vorher genügend Fachliteratur gelesen. Und ja, mir ist klar, dass dieser Roboter das Mensch-Tier-Verhältnis in Sachen Haustierhaltung zu Ungunsten einer emanzipatorischen Perspektive verfestigt. Aber das kriegen ja wenn überhaupt dann eh nur verrückte VeganerInnen zu Gesicht. Bei denen ist es auch egal.

Na gut, jetzt erfahre ich grad, dass ich doch nur sechs Spuren zu zählen habe Sonntag. Trotzdem werde ich ersteinmal nicht von meinem Plan die Kreuzung entweder Samstag nacht mit Schutt und Geröll zu verbarrikadieren oder, eleganter, mit einer Handvoll Strassensperren die zu diesen public-viewing-Zeiten an jeder zweiten Kreuzung stehen und auch stehen gelassen werden, dicht machen. Uncool klingt jedoch, dass ich wohl mit dem anderen Zähler in einem Wagen sitzen soll. Wenn ich mich schon sech Stunden langweilen soll, dann doch bitte allein und ohne Zwangskonversation. Aber Ähnliches habe ich auch in der Vergangenheit schon durchgestanden. Ich werds schon schaffen.

Mittwoch, 18. Juni 2008

Tag 132

Den ersten Block habe ich heute verschlafen. Ist aber niemandem aufgefallen im Bildungszentrum. Im dritten Block wurden wir von einem Bildungsbegleiter ersteinmal zum Eisessen eingeladen. Der Rest des Tages verging ähnlich sinnvoll.
Nächste Woche kommt meine Bildungsbegleiterin aus ihrem Urlaub zurück. Ich denke ich werde es so einrichten können, dass ich meinen ganzen Resturlaub auf die zukünftigen Mittwochs und Donnerstage verteilen werde. Urlaub vom Praktikum zu nehmen ist wohl eher unklug.
Und morgen zur Berufsschule werde ich auch nicht, da ich lieber zum Arzt gehe. Habe ja nicht umsonst eine Überweisung dahin und tatsächlich auch zwei akute Leiden, die mehr oder minder dringender Behandlung bedürfen.

Dienstag, 17. Juni 2008

Tag 131

Mein gestriger ÄrztInnenmarathon endete mit einem zerstochenen Unterarm, einem dicken Packen Überweisungen und einem eintägigen Krankenschein. Heut morgen habe ich mich verflucht dass ich nicht noch ein wenig gejammert und so meinen Schein noch um einen Tag gestreckt habe.
Jetzt sitze ich hier wieder vorm Rechner und bügele meine Fehler von Freitag aus. Danach darf ich einen Abwasserschacht in all seinen nervigen Details zeichnen. Und das obwohl es noch nicht einmal acht Uhr ist. Ich bin einfach zu müde. Noch acht Stunden und zehn Minuten.
Habe heute nun der ersten Person aus dem Bildungszentrum den Link hierhin geschickt. Bin gespannt wie die Reaktion sein wird. Immerhin ist sie noch diejenige, die hier am besten weggekommen ist schätze ich. Aber die anderen dürfen mir auch nicht böse sein, wenn sie es in ein paar Wochen lesen. Das waren halt erste Eindrücke, die ich dann auch noch überspitzt habe. Ich mag euch.

Verdammt. Ich Klassenverräter. Da kommt der Chef zu mir und fragt mich ob ich denn normalerweise auch öfter mal krank sei und ob die Gefahr bestünde, dass ich längere Zeit hospitalisiert würde. Und ich Idiot antworte auch noch mit "Nööö..." statt mit "Wir haben doch nicht all die blutigen Arbeitskämpfe ausgefochten, damit ich Ihnen hier heute diese Frage beantworte! Ha! Das wird alles noch anders werden!".

Montag, 16. Juni 2008

Tag 130

Ja, es gibt mich und diesen Blog noch und mir fielen sogar die Zugangsdaten noch ein.
Im Moment sitze ich zu Hause und werde mir gleich einen gelben Schein holen gehen. Gut geht es mir tatsächlich nicht sehr.
Ich weiss nicht warum ich in letzter Zeit nichts schreibe. Es ist ja nicht einmal so, als sei nichts erzählenswertes passiert. Im Gegenteil. Da hätten wir beispielsweise die skurrile Begegnung mit einem Frosch am Fensterbrett der Toilette, oder die Steigerung dessen, diejenige mit einer Blindschleiche direkt vor der Eingangstür auf dem Weg in meine Mittagspause. Den Ausbildungsvertrag habe ich auch sicher. Nicht unterschrieben, aber doch sicher.
Im Bildungszentrum tut sich nicht viel. Die netten Leute sind nur noch, wenn überhaupt vereinzelt da, und die sehr wenigen, die ich wirklich mochte, haben, was mich sehr freut, ihre Verträge in der Tasche und lassen sich nicht mehr blicken.
Allerdings bedeutet dies auch, dass ich diesen Personen nun den Link hierhin schicken werde. Und das nach meiner schändlichen Vernachlässigung in letzter Zeit.
Ich will versuchen wieder in den richtigen Rythmus zu kommen und, wenn vielleicht auch nicht viel und gut, so doch zumindest wieder regelmässig, zu schreiben.

Freitag, 30. Mai 2008

Tag 119

Ich weiss nicht woran es liegt, dass ich im Moment einfach keinen Output zustande bringe. Immerhin scheint es nicht nur mir so zu gehen:
"Bloggen muss Spaß machen und darf nicht in gefühlter oder faktischer Pflichtschreiberei ausarten."
Allerdings entschuldigt das ja nicht, dass ich hier solch eine ungenügende Frequenz an den Tag lege. Ich weiss auch nicht woran es liegt. Schliesslich gab es in den letzten Tagen sogar Einiges, was guten Stoff hergegeben hätte. Aber sobald ich dann zu Hause bin, nach insgesamt neun Stunden und mich da ja dann auch noch um Soziales, Privates und Sportliches zu kümmern habe, fehlt mir die Kraft dazu mich hinzusetzen und den ganzen Arbeitstag noch einmal durchzuspielen. Anders sieht es aus, wenn ich die Möglichkeit habe auf der Arbeit oder im Bildungszentrum zu schreiben. Nur komme ich da immer weniger zu. Ich sitze jetzt zwar auch längere Passagen nur vorm Rechner aber muss dabei leider auch tatsächlich arbeiten und nachher die gezeichneten Sachen vorzeigen können. Abgesehen davon dass mein Laptop hier völlig einsehbar für jedeN steht und auch immer wieder jemand vorbeikommt um mal zu sehen was ich so mache. Fast wie bei Lidl oder der Telekom. Nun gut, so schlimm ist es dann doch nicht und die Menschen die zu mir kommen um zu sehen was ich mache wollen mir damit ja wirklich helfen, da sie mir dann Tipps geben. Trotzdem.
Im Moment bin ich dabei einen Höhenverlaufsplan für einen Kanal zu zeichnen. So langsam komme ich auch ganz gut mit dem Programm zu recht und das was ich da mache scheint wohl auch wirklich richtig zu sein.

Heute geht hier alles drunter und drüber. Einige Leute haben zur Zeit Urlaub. Eine Person nimmt morgen für drei Wochen Urlaub. Grad ging ein Rechner kaputt. Jetzt hat meine Supervisorin zuviel Stress um sich um mich zu kümmern und mir zu sagen was ich machen soll. Alles was ich machen kann habe ich schon vor geraumer Zeit erledigt und versuche nun beschäftigt auszusehen. Zum Glück dauerts nur noch knappe 40 Minuten.

Montag, 19. Mai 2008

Tag 110

7:36 Hat das Krankfeiern nun also wirklich ein Ende. Da es mir nicht möglich war, letzte Woche Absprachen mit dem Betrieb hier zu treffen, bin ich heut einfach mal mit der noch nicht unterschriebenen Verlängerung des Praktikumsvertrages hier aufgekreuzt. Überpünktlich, endlich mal wieder ordentlich gekleidet und nachdem ich gestern zum ersten Mal seit gefühlten zwei Monaten, richtig, also mit Wasser von oben und allem drum und dran, duschen konnte - und sogar meinen Bart, für den ich mich jetzt doch entschieden habe, getrimmt hatte, stand ich da und war bereit sofort hier zu bleiben und zu arbeiten. Durfte ich dann auch.

8:44 Mittlerweile hänge ich nur wieder oben am Plotter rum und falze Pläne für Menschen die heut vormittag Termine haben und diese dann dort brauchen. Routine stellt sich eben schnell wieder ein.

9:25 Der Chef kam grad zu mir und sagte, er hätte den neuen Vertrag unterschrieben und warum ich micht gemeldet hätte, er hätte schon gedacht ich käme nicht mehr. Ich habe zwar erst vor Kurzem mit ihm telephoniert aber gut. Was solls. Jetzt bin ich ja wieder hier.

10:15 Nachdem alle Pläne weggefalzt waren, setzte ich mich vor den Laptop und pendelte zwischen sinnlosem Internetkram und dem Versuch einen dreidimensionalen Obelisken mit AutoCAD zu konstruieren. Leider wurde ich grad unterbrochen und habe nun hier einen Packen veralteter Pläne auf dem Tisch, die alle geringfügiger Änderungen bedürfen. Leider habe ich keine Ahnung warum ich es einfach nicht schaffe, das neue Logo dort einzufügen oder warum die Kartenelemente auf einmal so völlig anders aussehen als in der Printversion auf meinem Schreibtisch. Und das sind bisher erst die Pläne, bei denen nur etwas an der Beschriftung oder Ähnlichem geändert werden soll. Diejenigen, bei denen ich wirklich die Zeichnungen verändern darf, kommen erst noch. Ich sehe schwarz.

10:51 Grad kam ein junger Mensch, behauptete er hätte einen Termin und wurde nach kurzem Warten zum Chef geführt. Falls das Konkurrenz sein soll, war ich aber bei meinem Vorstellungsgespräch deutlich besser angezogen. Bei den zu ändernden Plänen gibt es immernoch keine Fortschritte.

11:01 Und wieder weg ist er. Sah nicht grad begeistert aus. Aber wie kann mensch auch im schwarzem T-Shirt und Skaterschuhen zum vermeintlichen Vorstellungsgespräch schlurfen. Selbst schuld. Ich werde aber mal mit meiner Bildungsbegleiterin reden, damit die hier mal ein Wenig Druck macht damit ich einen unterschriebenen Ausbildungsvertrag in Händen halte. Auch wenn ich ja eigentlich lieber in einer anderen Stadt was fände, aber auf die Bewerbungen, die dorthin gingen, gab es bisher keine Reaktionen. Ansonsten soll es wohl auch möglich sein, im Frühjahr zu wechseln, nachdem all die anderen Azubis ihre Probezeit nicht überstanden haben und mir ihre Stellen wieder frei machen. Sie meinte es gäbe da wohl irgendwelche Möglichkeiten in Zusammenarbeit mit der IHK da was zu drehen. Ich hätte besser zuhören sollen.

13:37 Mittagspause ist rum. Ich habe aber auch wirklich jede Minute bis dahin gezählt. Ich muss mir neue Serien auf den eeepc packen, sonst wirds langweilig werden. Meinen ganzen Vorrat habe ich in den unzählichen Wartestunden im Krankenhaus aufgebraucht. Da nun der Nachmittag angebrochen ist, sind auch die bauzeichnenden Damen wieder weg, die hier nur halbtags arbeiten. Auch fast alle IngenieurInnen sind nicht im Haus. Ist also ziemlich ruhig.

14:07 Noch knappe zwei Stunden. Nur vier Stunden Schlaf waren wohl auch wirklich zu wenig. Aber sowas pendelt sich halt in 6(?) Wochen Krankenschein schnell ein. Und jetzt sitze ich hier und bessere die Fehler der Anderen aus, indem ich irgendwelche Rohrleitungen in den Plänen anpasse und Wasserspiegel an die Aktuellen Angaben des jeweiligen Flussverbandes anpasse. Grosses Kino.

Feierabend!
Ich habe heute 45,5m² Papier geschnitten und gefalzt. Und das Schlimmste ist: der Plotter läuft heut, bestückt mit einer neuen Rolle, über Nacht und morgen darf ich dann wieder ran und die ganze Scheiße falzen. Meine Finger tun weh!

Mittwoch, 14. Mai 2008

Tag X (habe die Übersicht meiner Krankenscheinphase verloren)

Ja, ich weiss, dass ich schon viel zu lange nichts mehr geschrieben habe. Im Moment sitze ich mal wieder im Wartezimmer im Krankenhaus. Wenn alles klappt aber diesmal auch das letzte mal. Falls es stimmt, was ich irgendwo hörte, dass morgen ein Feiertag ist, geht es für mich Freitag wieder los mit arbeiten. Meinen neuen Praktikumsvertrag habe ich bereits gestern abgeholt und werde heute mal bei meinem Arbeitgeber anrufen um alles zu klären. Die Zwischenzeit vertrödelte ich weitestgehend. Obwohl einige Bewerbungen geschrieben, ein Umzug veranstaltet und an einigen anderen Sachen gearbeitet wurde, waren die letzten vier Wochen doch ziemlich ereignis- und sinnlos. Jetzt hänge ich hier im Wartezimmer und wäre beim Zombiebücher lesen beinah eingenickt, weswegen ich jetzt vorm Rechner hänge um mich abzulenken. Vorher hiess es schon, es könne noch etwa eine halbe Stunde dauern und ich könne ruhig solang noch raus in die Sonne gehen. Da ich in der gestrigen, doppelt so langen, Wartezeit schon ein sehr schönes schattiges Plätzchen mir gusseiserner Bank etwas abseits der Krankenströme hier fand, liessen sich diese draussen verbrachten Wartezeiten sehr komfortabel mit diversen Videos verbringen. Ursprünglich war ja auch eigentlich angedacht, dass ich diese Woche noch einmal für etwa vier Tage stationär aufgenommen werde. Mein Arzt hält dies jedoch bisher nicht mehr für nötig. Hoffentlich ändert sich das gleich nicht noch. Das beste war jedoch als er mir letzte Woche die Fäden gezogen hat: Zuerst kam ein anderer Arzt rein und sagte, „Alex, denk dran, vorne liegt da das Dings für dich!“. Daraufhin klingelte sein Telephon fünfmal hintereinander, bis er beim sechsten Anrufversuch endlich ranging: „Alex hier – Ja. - Ja ich komm gleich. Ich grad schwierig hier. - Ja hebs mir auf.“. Es war wohl wirklich schwierig, da er auch aus irgendeinem Grund meinte mir infiziertes Gewebe rausschaben zu müssen und die Stelle danach dreimal mit Tupfer und 10%iger Salzsäure abrieb. Weiss der Teufel warum und es tat unglaublich weh. Kurz bevor er fertig war, lüftete sich dann das Geheimnis worum es bei dem ganzen Theater, dass um sein „Dings“ welches ihm aufgehoben werden sollte gemacht wurde, ging. Nicht etwa um PatientInnenakten oder was mensch sonst so in Spitälern erwartet. Nein. Eine jüngere Krankenschwester (Ist die Berufsbezeichnung eigentlich aktuell und pc?) öffnete die Tür, strecke ihren Kopf herein und zeterte mit vorwurfsvoller Stimme, die mich fatal an frühkindliche Traumata erinnert hätte: „Alex! Dein Eis schmilzt!“. Kurz darauf war meine Behandlung dann auch abgeschlossen. Ob sie fertig war weiss ich nicht aber mein Arzt hatte auf jeden Fall anderes zu tun. Zum Glück blieben Salzsäure und ähnlich martialisches Gerät bei meinem gestrigen Besuch unangetastet und auch heute soll es nur „so ein süsses Rumgepinsel“ werden. Blöd nur, dass die halbe Stunde die ich warten sollte nun seit exakt einer Stunde vorbei ist. Immerhin sind mittlerweile die nervigen drei Rütlischulenmädchen gegangen. Eine ins Behandlungszimmer und die anderen beiden nachdem sie aus eben diesem geschmissen wurden, nach draussen. Hauptsache vorher hier die ganze Zeit mit den Pfennigabsätzen absichtlich auf den Boden trommeln, rumschreien, Ringtones vorspielen bis eine Angestellte ihnen klarmachte, dass ihre Handies auszuschalten seien und wie sich halt so Menschen benehmen. Wie früher beim Busfahren.
Mindestens genausogut waren jedoch die beide Mittvierzigerinnen, die, ohne sich zu kennen, direkt nach Abgang der Mädchen anfingen über deren Werteverfall sich zu echauffieren. Dass die eine der Sittenwächterinnen kurz darauf eine SMS auf ihr eingeschaltetes Handy bekam, welche mit einem dieser Jamba-Realsounds angekündigt wurde, stellte jedoch keinerlei Widerspruch dar.
Gut, ich habe mein Handy auch eingeschaltet. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass hier Menschen sterben, weil sich Textnachrichten bekomme.
Tja, Scheisse.
Nicht nur hat mich nicht mein netter Arzt, sondern die Ärztin bei der ich mich nach der OP so blamiert habe, behandelt, nein, ich darf auch morgen noch einmal hin. Naja, besser als Berufsschule.

Randale! Bambule! Rütlischule!

Dienstag, 29. April 2008

Tag 11 (Krankenschein)

Heute habe ich meine erste Onlinebewerbung als pdf per mail verschickt.
Erst kurz vorm Versenden fiel mir auf, dass keine einzige meiner etwa sieben Mailaddressen angebracht wäre um darüber eine Bewerbung zu versenden. Wer stellt schon jemanden ein, dessen/deren Bewerbung via "penis@mailprovider.de" oder "Karl-Marx-45@mailprovider.de" kam? Also zum ersten Mal im Leben meinen richtigen Namen für eine Mailaddresse benutzt. Das Einige, was jetzt noch komisch wirken könnte, ist dass die Bewerbung um 22:37 Uhr raus ging. Habe extra viel Arbeit darein gesteckt, die vorherigen losen Dateien, die alle nacheinander ausgedrukt wurden, zu einem pdf zusammenzupacken und auch noch Anlagen einzuscannen. Hab extra noch etwa 30 Unterschriften geprobt, bis eine dabei war, die einerseits ordentlich und andererseits auch noch dynamisch genug aussah, die ich dann scannen, freistellen und als gif in das Anschreiben einfügen konnte, so dass ich die Unterschrift quer über das "Mit freundlichen Grüßen" ziehen konnte. Allerdings ist wohl zu bezweifeln, dass meine Bewerbung als Mediengestalter derart gemustert wird, dass dann die Tatsache, dass ich unverhältnissmässig viel Zeit in das faken einer unachtsam über den Text geschmierten Unterschrift investiert habe. Aber ich finde es hat so mehr Stil, als plumpe Aufzählungen von beherrschten Computerprogrammen. Morgen bringe ich noch ein paar andere Bewerbungen zur Post.

Montag, 28. April 2008

Tag 10 (mit neuem Krankenschein und etwas gewaschenen Haaren)

Hatte heut morgen einen Arzttermin. Er meinte er müsse mich auf jeden Fall noch bis zum nächsten Krankenhaustermin in der zweiten Maiwoche krankschreiben. Dann wollte er wissen, was ich den mache und fing an mich zum Job des Bauzeichners auszufragen und erzählte von seiner Zeit als er Bauzeichner gelernt hatte.
Mein Arzt ist also gelernter Bauzeichner.
Scheisse. Ich hoffe er ist auch ausgebildeter Arzt.
Dafür habe ich dann heute, entgegen ärztlicher Anweisung, meine Haare gewaschen. Zumindest so gut es geht. Aber ist schon eine deutliche Verbesserung. Und solang ich Krankenschein habe, rasier ich mich auch nicht. Zumindest im Gesicht. Nun bin ich allerdings auch nicht so mit Testosteron vollgestopft, dass ich einen regelmässigen oder dichten Bartwuchs habe. Aber da ich ja nun schon mehr als eine Woche ausser Gefecht bin und es noch länger bleiben werde, versuch ichs mal. Seh schon ganz schön bescheuert aus im Moment.

Donnerstag, 24. April 2008

Tag 8 (ohne Haarwasche und mit Krankenschein)

Ja! Trotz Krankenschein und allem bin ich um 5:30 Uhr aufgestanden. Gut, als ich dann um kurz nach sechs vorm Rechner sass, eingehüllt in orangene Kuscheldecke und nach frischer Schmerztablettendröhnung fand, es sei eine gute Idee mir Videos über Synthesizer anzusehen. Selbstverständlich bin ich dann wieder weggepennt. Mit dem Kopf aufm Tisch, orangen bedeckt und auf einem der unbequemsten Stühle der Welt.
Mein Traum war ein bisschen zu lang und strange um ihn hier zu beschreiben. Ausserdem gehts euch gar nichts an. Also noch weniger als der Rest den ich hier über mein Privat- und "Berufs"leben schreibe.
Aber es war kein Sextraum. Nein.
Es ging um die Hölle, ihre Gemüse- und Obstabteilung und (unsexuelles) Bondage.

Passen hier YouTube-Videos überhaupt rein? Falls nicht verlink ich es nachher nur. Falls doch:

Mittwoch, 23. April 2008

Tag 7 (ohne Haarwäsche und mit Krankenschein)

Das mit der Haarwäsche habe ich hoffentlich vorher erwähnt, dass das nicht meine eigene fixe Idee war, zu gucken, wie runtergekommen ich nach drei Wochen ohne Shampoo aussehe, sondern natürlich ärztlich verordnet ist. Ich arbeite im Moment an einer Lösung die ein Wasserglas, einen Waschlappen und eineN AssistentIn beinhaltet. Bin jedoch noch im Planungsstadium. Fünf Tabletten zum Frühstück nehmen zu müssen ist uncool.